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Mehr Frauen in die Verwaltungsräte: Darum müssen Schweizer KMU jetzt handeln

Unterschiedliche Erfahrungen, Kulturen und Denkweisen führen zu besseren, weil breit abgestützten Entscheidungen. Aus diesem Grund ist ein divers zusammengesetztes Gremium nicht nur gesellschaftlich relevant, sondern ein strategischer Wettbewerbsvorteil für Unternehmen aller Grössen. International erfolgreiche Unternehmen demonstrieren bereits seit Jahren, wie vielfältige Führungsteams zu vorausschauenden Entscheidungen und damit zu mehr Innovation führen.

Von Ernest Cavin, DBA

Die Autorin und Diversity-Expertin Verna Myers bringt es treffend auf den Punkt: «Diversity is being invited to the party; inclusion is being asked to dance.» Doch gerade bei Schweizer KMU herrscht in diesem Bereich Nachholbedarf. Dieser Artikel geht auf die Gründe ein, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen existieren, und zeigt konkrete Wege auf, wie Schweizer KMU von einer stärkeren Beteiligung von Frauen in ihren Verwaltungsräten profitieren.

Die aktuelle Realität in Schweizer KMU

Gemäss einer aktuellen Studie der Universität Zürich (2024) liegt der Anteil Frauen in Verwaltungsräten von Schweizer KMU bei gerade mal 20%. Besonders ausgeprägt ist dieser Mangel an Vielfalt in technologieorientierten Branchen wie beispielsweise der IT, wo Frauen mit lediglich 9,3% nochmals deutlich weniger repräsentiert sind. Viele Verwaltungsräte bestehen seit Jahren unverändert, geprägt durch langjährige Amtszeiten von durchschnittlich über acht Jahren. Häufig erfolgt die Besetzung neuer Mandate innerhalb persönlicher Netzwerke, was zu einer weiteren Verfestigung bestehender Strukturen führt.

Ein Blick in verschiedene Branchen bestätigt dies: Während soziale Dienstleistungsunternehmen teilweise schon deutlich höhere Frauenanteile aufweisen, tun sich traditionelle Industrie- und Technologiefirmen oft schwer. Hier sind viele Vorurteile und veraltete Muster vorherrschend, welche die Integration weiblicher Mitglieder erschweren. Aber wie die amerikanische Ökonomin und Managerin Sheryl Sandberg formuliert: «We need women at all levels, including the top, to change the dynamic, reshape the conversation, to make sure women’s voices are heard and heeded.» Wie das geht, machen uns die Kleinstunternehmen bis zu neun Mitarbeitenden vor: Gemäss einer BDO-Verwaltungsratsstudie liegt hier der Frauenanteil bereits bei etwa 28%. Hier lässt die Tatsache hoffen, dass rund jedes dritte, neu zu besetzende Verwaltungsratsmandat inzwischen an eine Frau vergeben wird.

Ziel: Erhöhung des Frauenanteils auf 30 % im Verwaltungsrat

Seit Anfang 2021 gelten in der Schweiz neue gesetzliche Vorgaben zur Geschlechtervertretung in Führungsgremien. Grosse, börsenkotierte Unternehmen sind verpflichtet, einen Frauenanteil von mindestens 30% im Verwaltungsrat zu erreichen. Unternehmen, die diese Quote nicht erfüllen, müssen in ihren Geschäftsberichten klar darlegen, warum dies der Fall ist und welche Massnahmen zur Verbesserung geplant sind. Zwar fallen typische KMU meist nicht unter diese Regelungen, dennoch steigt auch für sie der Druck, diverser zu werden, mehr Frauen zu integrieren. Hier erzeugen Erwartungshaltungen von Investoren, Kunden und der breiten Öffentlichkeit einen Push-Effekt. Verstärkt wird dieser durch die regulatorischen Anforderungen, welche grössere Firmen betreffen. Immer öfter erwarten auch Lieferanten und Kunden diversifizierte Teams, da diese als innovativer und zukunftsfähiger gelten.

Zahlreiche Studien haben belegt, dass Diversität im Führungsteam die Entscheidungsqualität deutlich verbessert. Gemischte Teams berücksichtigen mehr Perspektiven, bewerten Risiken genauer und entwickeln kreativere Lösungsansätze. Laut einer internationalen Studie von McKinsey erzielen Unternehmen mit hoher Geschlechterdiversität durchschnittlich 20% höhere Innovationsraten und bessere finanzielle Ergebnisse.

Diverse teams are stronger teams

Diese positiven Effekte zeigen sich auch im KMU-Kontext. Diversität hilft, neue Märkte und Zielgruppen besser zu verstehen, Innovationen schneller umzusetzen und sich wandelnden Marktbedingungen anzupassen. Schweizer KMU, die aktiv auf Vielfalt setzen, berichten von verbesserten Betriebsergebnissen und einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, betont: «Diverse teams are stronger teams. They make better decisions, are more innovative and achieve greater results.»

Die SV Group, ein Schweizer Gastronomieunternehmen, setzte aktiv auf Diversität und verfügt mittlerweile sogar über eine Frauenmehrheit im Verwaltungsrat. Dies wurde durch eine bewusste und strategische Rekrutierung erreicht, welche vielfältige Kompetenzen und Erfahrungen berücksichtigt.

Auch das Westschweizer Unternehmen Les Blanchisseries Générales (LBG) erhielt eine Auszeichnung für seine Diversitätsbemühungen: Das Unternehmen wurde 2023 vom Cercle Suisse des Administratrices für vorbildliche Umsetzung von Diversität im Verwaltungsrat geehrt.

So können KMU konkret handeln

KMU müssen und sollen nicht tatenlos bleiben. Sie können aktiv Massnahmen ergreifen, um mehr Frauen für Verwaltungsräte zu gewinnen:

  • Analyse durchführen: Bestehende Strukturen prüfen und Ziel für den Frauenanteil im Verwaltungsrat festlegen.
  • Rekrutierungsprozesse anpassen: Bewusste Suche ausserhalb persönlicher Netzwerke mittels spezialisierter digitaler Plattformen. Dienste wie VRMandat.com ermöglichen KMU, gezielt qualifizierte Kandidatinnen ausserhalb des eigenen Netzwerks zu finden. Solche Plattformen erhöhen die Transparenz und helfen, neue und unabhängige Mitglieder zu gewinnen.
  • Massnahmen zur Förderung etablieren: Gezielte Weiterbildung für potenzielle Verwaltungsrätinnen schaffen. Programme wie das CAS Corporate Governance beispielsweise bereiten potenzielle Verwaltungsrätinnen gezielt auf ihre Aufgaben vor und erhöhen die Chancen, kompetente Frauen zu gewinnen und zu fördern.
  • gezielte Netzwerkarbeit: Initiativen wie «Women for the Board» bieten wertvolle Vernetzungsmöglichkeiten und Sichtbarkeit für Kandidatinnen. KMU sollten diese Netzwerke aktiv unterstützen und nutzen.

Fazit: Was bedeutet das konkret für KMU?

Geschlechterdiversität in Verwaltungsräten sollte für KMU nicht bloss eine gesellschaftliche Verpflichtung sein, sondern ist als eine klare strategische Chance in die Unternehmensphilosophie zu integrieren. Durch gezielte Förderung von Frauen in Führungsgremien verbessern KMU ihre Innovationsfähigkeit, ihre Marktposition und langfristig ihre finanziellen Ergebnisse. Diversität wird so zum unverzichtbaren Wettbewerbsvorteil.

QUELLEN

Universität Zürich (2024): Studie zur Diversität in KMU-Verwaltungsräten, Zürich.
BDO Schweiz (2023): Verwaltungsratsstudie 2023, Zürich.
McKinsey & Company (2023): Studie «Diversity Wins».
Schweizerisches Obligationenrecht (OR), — Aktienrechtsrevision 2021.
VRMandat.com: Plattform zur Rekrutierung von Verwaltungsräten.
Women for the Board: Schweizer Initiative zur Förderung weiblicher Führungskräfte.
Cercle Suisse des Administratrices (2023): Preisverleihung für Diversität.
Boston Consulting Group (2023): Studie zu Diversität und Innovation.
Europäische Kommission (2023): Rede von Ursula von der Leyen zu Diversität.
Sheryl Sandberg (2013): «Lean In: Women, Work, and the Will to Lead».

Ernest Cavin

Ernest Cavin, DBA, ist unabhängiger Verwaltungsrat mit internationaler Erfahrung in MedTech und Telecom. www.linkedin.com/in/ernestcavin

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