
Das Schweizer Familienunternehmen Bubu bindet seit 1941 Bücher und produziert seit 2004 auch Fotobücher. Mehr als 30 gelernte Buchbinderinnen und Buchbinder beherrschen alle Tricks und Kniffs der industriellen und handwerklichen Bindetechniken, von Auflage 1 bis fast beliebig. Die Innovation hat bei Bubu Tradition. Für Co-Geschäftsführer Christian Burkhardt sind das Papier und die Materialvielfalt ganz essenziell für ein Fotobuch. Laurent Gachnang hat sich mit ihm unterhalten.
Von Laurent Ph. Gachnang
Laurent Gachnang: Wie hat sich die Bubu AG in den letzten Jahren angesichts des technologischen Wandels und der digitalen Transformation in der grafischen Industrie weiterentwickelt?
Christian Burkhardt: Als Pionier im Fotobuchmarkt haben wir glücklicherweise den Sprung in die automatisierte und personalisierte Produktion von Büchern bereits vor 20 Jahren gemacht. Dies war der Ursprung unserer digitalen Transformation in den letzten Jahren, die letztlich Schritt für Schritt stattfand.
In erster Linie haben wir den technologischen Wandel genutzt, um neue und direkte Kanäle zu Kunden aufzubauen – sei es im B2C-Markt für Fotoprodukte mit der Bookfactory oder sei es über die Vereinfachung und Standardisierung von Schnittstellen, um B2B-Kunden in unseren Produktions-Workflow anzubinden.
Welche aktuellen Herausforderungen sehen Sie in der Branche, und wie planen Sie im Verwaltungsratsgremium (mithilfe von Innovationen), diesen Herausforderungen zu begegnen?
Als grösste Herausforderung sehe ich derzeit den Fokus auf den Preis anstelle einer Wertschätzung von Leistung und Nachhaltigkeit – als Schweizer Produzent ist daher für uns oberste Priorität, den Markt für den Mehrnutzen von Kundennähe, spezifischen und kreativen Leistungen sowie von Nischenprodukten zu begeistern
Im Verwaltungsrat diskutieren wir diese und weitere Herausforderungen anhand einer eingespielten und systematischen Vorgehensweise, wo wir strategische Initiativen, darunter auch Business-ModellInnovationen, in einen kurz-, mittel- und langfristigen Kontext stellen.
Wie fördern Sie als Inhaber/Verwaltungsrat eine Kultur der Innovation innerhalb Ihres Unternehmens? (Gibt es spezifische Programme oder Initiativen, die darauf abzielen, innovative Ideen zu fördern und umzusetzen?)
Grundsätzlich darf ich festhalten, dass eine offene und innovative Grundhaltung bereits seit der Gründung unseres Betriebs vor über 80 Jahren fest in der DNA verankert ist.
Für Prozessinnovation setzen wir auf Topmitarbeitende mit «Tüftlermentalität», deren Stolz es ist, ungelöste Probleme zu lösen. Um Produktinnovationen sicherzustellen, verfügen wir über genügend kreative Köpfe, die Ideen unserer Kunden mit viel Sachverstand umsetzen und weitertreiben. BusinessModell-Innovation ist wie erwähnt auf strategischer Ebene verankert, und wir verfolgen einen systematischen Ansatz, um diese Initiativen pragmatisch herunterzubrechen. Zudem sind wir stolz auf unser Netzwerk, aus dem immer wieder spannende und neue Ansätze an uns herangetragen werden.
Welche Rolle spielt Innovation innerhalb der Druckbranche?
Aus meiner Sicht hat die klassische lineare Wertschöpfungskette in unserer Branche ausgedient. Insofern ist Innovation essenziell, um einen grafischen Betrieb in der Schweiz auch die kommenden Jahre betreiben zu können. Dafür braucht es eine offene Betriebskultur, einen entspannten Umgang für die Kannibalisierung bestehender Kanäle sowie ein Verständnis für partnerschaftliches und netzwerkbasiertes Agieren – mit diesem Ansatz folgen Innovationen ganz natürlich.
Wie reagieren sie bei Bubu auf sich verändernde Kundenanforderungen und -erwartungen in Bezug auf personalisierte Drucklösungen? (Welche innovativen Ansätze werden verwendet, um massgeschneiderte Dienstleistungen anzubieten?)
In erster Linie verstehen wir unsere Aufgabe heute eher, unseren Kunden die neuen Möglichkeiten näherzubringen. Viele Ansätze und Möglichkeiten sind den Marketingabteilungen und Agenturen in unserem Umfeld derzeit noch gar nicht bekannt, und wir investieren daher viel in die «Market Education».
Gleichzeitig versuchen wir über die stetige Weiterentwicklung unserer Editoren und Shoplösungen im B2C-Bereich, die Benutzerfreundlichkeit zu steigern, und haben für B2B-Anbindungen das Startup Uhuu AG mitgegründet, um den Kunden vorgelagert die dynamische Generierung von druckfähigen PDFs zu erleichtern und zu ermöglichen – als Basis für die automatisierte und personalisierte Weiterverarbeitung.
Welche Rolle spielen künstliche Intelligenz und Automatisierung in Ihrem Unternehmen, und wie tragen sie zur Effizienzsteigerung und Produktivitätssteigerung bei?
Die Automatisierung unserer Produktionsworkflows hat uns überhaupt erst ermöglicht, individualisierte Produkte am Markt anbieten zu können. Da entwickeln sich die Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung stetig weiter, natürlich beschleunigt durch KI, vor allem bezüglich Planung und Steuerung.
Im Bereich von Preventive Maintenance versprechen wir uns in der Produktion einen nächsten grossen Schritt dank KI. Austausch von Ersatzteilen, Maschinenwartung und Verhindern unvorhergesehener Betriebsunterbrüche werden dank dieser Unterstützung deutlich einfacher. Für KI im Marketing sowie in den Editoren für unsere Kunden gilt: «The sky is the limit.» Hier verfolgen wir eng die laufenden Entwicklungen und setzen, wo moralisch vertretbar, bereits KI-Tools ein.
Welche Partnerschaften oder Kooperationen ist Ihr Unternehmen eingegangen, um innovative Lösungen und Dienstleistungen zu entwickeln? (Wie tragen solche Partnerschaften zur Stärkung Ihrer Innovationskapazitäten bei?)
Wir verstehen uns als offenes System, welches sich für den Erfolg zwingend auf Partnerschaften und Kooperationen einzulassen hat. Wir sind im Technologiebereich vor allem Anwender und daher auf Partner angewiesen, die uns in der Entwicklung und Umsetzung von Ideen unterstützen und weiterbringen können.
So zählen wir auf ein breites Netzwerk an (Software-)Lieferanten, herausfordernde Kunden, die uns neue Lösungen abfordern, sowie Partnerschaften wie z.B. das Joint Venture Uhuu AG – und setzen es uns zudem als Aufgabe, uns im Verband und in Netzwerkgruppierungen zu engagieren sowie an einschlägigen Fachtagungen und Symposien präsent zu sein.
Wie sehen Sie die Zukunft der Druckbranche, und welche Schritte unternimmt Ihr Unternehmen, um sich auf zukünftige Entwicklungen vorzubereiten?
Print bereichert die Kommunikation und verliert dann, wenn es um die reine Informationsvermittlung geht. So hat die Druckbranche in all den Bereichen eine Zukunft, in denen nachhaltige Begeisterung anstelle der kurzen Glückseligkeit digitaler, auf Effizienz getrimmter Informationen Platz hat.
Unsere Vision ist: «Wir binden Emotionen.» Wir setzen auf die Emotionalität unserer Produkte, sei es dank eines haptischen Feuerwerks oder dank der entfachten Freude individueller Printprodukte – den Weg zu diesen Produkten wollen wir unseren Kunden möglichst einfach gestalten, unbedingt auch mithilfe der Digitalisierung, aber unser Fokus ist und bliebt auf den Emotionen unserer Kunden.
Christian Burkhardt
Christian Burkhardt führt die Bubu AG in dritter Generation als Inhaber und Co-CEO. Das Traditionsunternehmen bietet neben der Buchbinderei mit Bookfactory und einer Beteiligung an der Uhuu AG innovative Lösungen und Produkte entlang seiner Wertschöpfungskette. www.bubu.ch
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